BIW
 
 
Facebook Twitter Youtube

Anfragen

« Zurück

20.09.2018 | Arbeit und Soziales

Hilfe für pflegende Schulkinder

Anfrage der Gruppe BÜRGER IN WUT in der Bürgerschaft (Landtag)


Wir fragen den Senat:
 

  1. Unterstützt der Senat Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter, die ihre kranken oder pflegebedürftigen Erziehungsberechtigten versorgen, weil andere Personen dafür nicht zur Verfügung stehen, und wie sieht diese Unterstützung konkret aus?
     
  2. Ist dem Senat die Organisation Young Carer Bremen bekannt und wenn ja, wird diese Organisation vom Land gefördert bzw. unterstützt?
     
  3. Wird über pflegende Minderjährige im Land Bremen eine Statistik geführt und wenn ja, wie viele solcher Kinder und Jugendlichen gibt es und welches Alter haben sie?


Klaus Remkes, Jan Timke
und Gruppe BÜRGER IN WUT


Antwort des Senats (08.11.2018/Sozialstaatsrat Jan Fries)

Staatsrat Fries: Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Für den Senat beant-worte ich die Anfrage wie folgt:

Zu Frage 1: Kinder und Jugendliche, die im Haushalt mit kranken oder pflegebedürftigen Familien-angehörigen leben, sind häufig im Alltag in die Versorgung und Pflege eingebunden. Das kann zu Benachteiligung und Überforderung führen. Um die Minderjährigen zu schützen, hält der Senat ne-ben den Regelangeboten der Hilfen zur Erziehung zum Beispiel die Sozialpädagogische Familienhilfe und die Erziehungsbeistandschaft vor. Zusätzlich gibt es für die Kinder und Jugendlichen sowie ihren Familien spezielle Angebote. Für Kinder suchtkranker und psychisch auffälliger Eltern fördert die Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport Projekte wie Kidstime und Locke. Bei Kidstime handelt es sich um eine niedrigschwellig ansetzende soziale Intervention zur Unterstützung von Kindern psychisch belasteter beziehungsweise kranker Eltern. Locke ist ein Gruppenangebot für Kinder psychisch belasteter beziehungsweise kranker Eltern.

Im Rahmen der Hilfen zur Erziehung werden Patenschaften für Kinder psychisch kranker Eltern über den Träger Pflegekinder in Bremen angeboten. Dabei handelt es sich um professionell beglei-tete ambulante Leistungen. Die Maßnahme ist niedrigschwellig und unterstützend konzipiert. Vorrangige Aufgabenstellung der Patenschaften ist der Erhalt des Lebensortes in der Herkunftsfamilie.

Alle Angebote sind so ausgerichtet, dass das Fami-liensystem zum Wohle des Kindes gestärkt wird. Sollte die Versorgung der betroffenen Kinder und Jugendlichen, zum Beispiel durch einen stationä-ren Aufenthalt des versorgenden Familienmitglieds, zu Hause dennoch nicht gewährleistet sein, besteht im Einvernehmen mit den Sorgeberechtigten, neben der Unterbringung im sozialen Netz auch die Möglichkeit einer außerfamiliären Unter-bringung in Form einer Kurzzeitpflege.

Zu Frage 2: Bei Young Carers handelt es sich um eine Internetseite der 14-jährigen Lena Rebhahn aus Schweinfurt, die als betroffenes Kind auf die Situation und auf die Belastungen Minderjähriger, die mit erkrankten Familienmitgliedern zusammenleben, hinweist. Young Carers Deutschland ist als Angebot des Deutschen Kinderschutzbundes bekannt. Beide Angebote werden vom Land bezie-hungsweise von den Städten Bremen und Bremerhaven nicht gefördert.

Zu Frage 3: Es gibt keine Rechtsgrundlage für die Meldung und Erfassung von pflegenden Minderjährigen. Dem Senat liegen daher keine Daten zur Anzahl und zum Alter vor. Auch deutschlandweit gibt es keine valide Datenbasis zur Anzahl pflegender Kinder.

So weit die Antwort des Senats!